von Elvira Wehmeyer
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3. Januar 2025
Wie Du sicherlich weißt, gibt es keine Zufälle. Und so ist kein Zufall, dass Du hier bei mir gelandet bist. Denn wer erkennt eine verletzte Seele besser, als eine verletzte Seele. Ja auch ich habe im laufe der Jahre Federn gelassen. Und das letzte Mal ist noch gar nicht so lange her. Mit über 60 Jahren hatte ich endlich eine Hauptberufliche Beschäftigung gefunden, die mir auch noch Spaß gemacht hat. Am Anfang war es schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen, aber dann lief es ganz gut. Bis meine ehemalige "Chefin" anfing mich zu mobben. Erst waren es nur Kleinigkeiten, nur ganz subtil, doch dann wurde es immer heftiger und immer massiver. Bis ich zusammenbrach. Und dann war er wieder da, der Stillstand. Nichts funktionierte mehr. Dann kam auch noch die Kündigung und ich fragte mich, wozu das Ganze. Es war schwer zu fassen, das Menschen so etwas anderen Menschen antun. Was ich heute weiß ist, dass auch sie nur ein Opfer ist. Ihrer Erziehung, der Glaubenssätze ihrer Eltern, ihres Landes. Und Nein, es gibt ihr, oder auch anderen Menschen die mobben, nicht das Recht es zu tun. Und doch tun sie es. Ist es ein verzweifelter Hilferuf?? Ich weiß es nicht. Und es ist mir egal, denn was für mich zählt, ist meine Reaktion darauf. Früher wäre ich zum Arzt und hätte mich mit Psychopharmaka und Psychotherapie vollgepumpt. Hätte gejammert (also länger als heute) und mir die Bestätigung anderer Menschen geholt, das ich die Gute bin und sie die Böse. Ja ich war am Boden, komplett. Aber ich bin wieder aufgestanden. Stärker als jemals zuvor. Und ja ich bin immer noch wütend, aber ich kanalisiere diese Wut ganz anders, als noch vor Jahren. Und, sie tut mir leid. All das Wissen, dass sie im Laufe der Jahre erlernt hat, ist für die Katz, weil sie in einem Job hängt, der sie nicht erfüllt, der sie aussaugt, der ihr die Luft zum Atmen nimmt. Und wie gesagt, das ist keine Entschuldigung, andere zu mobben. Aber es ist ein Weg für Verständnis. Nicht ihretwegen, sondern meinetwegen.